Seeabsenkung Tulosta Sähköposti

Bereits im 18. Jahrhundert gab es in Finnland mehrere Seeabsenkungen mit dem Ziel, dringend benötigtes Ackerland zu gewinnen. Die Ertragsfähigkeit des Schwendlandes hatte zu versiegen begonnen und das von den Naturweiden gewonnene Viehfutter reichte für den gestiegenen Bedarf nicht länger aus. Der Staat unterstützte die Projekte, indem er denjenigen, die Sümpfe und sonstiges Ödland, unter anderem auch Verlandungsboden, urbar machten, das Anbau- und Besitzrecht für ihre Ländereien zusprach und für diese Steuerfreiheit gewährte.

Zu jener Zeit reiften auch unter den Anwohnern des Höytiäinen die ersten Gedanken und Versuche, durch die Absenkung der Seeoberfläche neues Land zu gewinnen. Gleichzeitig hoffte man, die ständigen Überflutungen des Flusses Viinijoki loszuwerden, über den der Höytiäinen in den See Viinijärvi abfloss.

In den
1850er Jahren wurden Berechnungen über verschiedene Abflussalternativen des Höytiäinen angestellt. Für die am besten geeignete Variante wurde die Aushebung eines ca. 6 km Kanals zum See Pyhäselkä befunden, dessen Oberfläche fast 21 m unterhalb des Höytiäinen lag. Mit dem Bau des Kanals wurde im April 1854 begonnen. Die Grabearbeiten erreichten die südlichste Bucht des Höytiäinen im Jahr 1856. Im Herbst 1858 wurden am Oberlauf des Kanals zwei Staudämme errichtet. Mit ihrer Hilfe wurde die Strömung des Kanals geregelt und man machte sich das fließende Wasser zu Nutze, um den Kanal tiefer und breiter werden zu lassen. Das Wasser begann jedoch an den Staudämmen, die auf Sandboden gebaut worden waren, vorbeizusickern und schwächte die Festigkeit des Bodens um sie herum ab. Am 3.-4. August 1859 brachen die Dämme letztendlich ein und das Wasser des Höytiäinen stürzte ungehindert in Richtung Pyhäselkä. Im Laufe von zwei Wochen sank die Oberfläche des Höytiäinen um 7,5 m. Dann kam auf dem Grund des Kanals ein Felsen zum Vorschein, der dem Abfluss Einhalt gebot. Die an dieser Stelle entstandene Stromschnelle Puntarikoski wurde im folgenden Jahr noch so weit ausgehoben, dass die Oberfläche des Sees alles in allem 9,5 m sank.

Der als
Karelisches Meer betitelte Höytiäinen, dessen offene Wasserfläche früher zu den weitesten unter den Binnengewässern Finnlands zählte, war von seiner Oberfläche her um ein Drittel geschrumpft. Die Anzahl der Inseln mit einer Fläche von über einem Ar wuchs von 130 auf 516 an, obwohl viele alte Inseln mit dem Festland verschmolzen. Es kamen insgesamt 15.700 Hektar Neuland zum Vorschein, größtenteils an den flachen Nord- und Nordwestufern des Sees. Das Land wurde unter den 165 Häusern aufgeteilt, die sich an der Seeabsenkung beteiligt hatten. Diese befanden sich jedoch zumeist am östlichen Seeufer. Deshalb zogen damals zahlreiche neue Siedler aus den Dörfern von Kontiolahti auf die besten Weideflächen nach Polvijärvi. Im Laufe der Jahrzehnte wurden auf dem Verlandungsboden mehr als 6.500 Hektar Ackerland urbar gemacht, davon mehr als 5.000 Hektar auf dem Gebiet der Gemeinde Polvijärvi.